Zitroversum
Dancy

Illustration: USDA Pomological Watercolor Collection (R. C. Steadman) · Public domain · Quelle

Dancy

Citrus reticulata 'Dancy'

Synonyme: Zipper-Skin Mandarine

Fruchtgruppe
Mandarinen & Clementinen
Hybridformel
Mandarine (Citrus reticulata), klassische US-amerikanische Sorte
Winterhärte (USDA-Zone)
9–10Richtwert für etablierte Pflanzen bei kurzem Frost — was die Zone aussagt
Eignung
Kübelpflanze, Indoor / Zimmerkultur
Wuchsgröße
Kompakt (1–2 m)
Kernlos
Nein (kernhaltig)
Erntezeit
Nov, Dez, Jan
Fruchtfleisch
Orange

Herkunft

Die Dancy-Mandarine (Citrus reticulata 'Dancy', bei Tanaka als eigene Art Citrus tangerina geführt) ist eine amerikanische Selektion, die um 1867 von Colonel Francis L. Dancy in Buena Vista, Florida, aus einem Sämling der Tangerine-Sorte „Moragne" gezogen wurde. Der Begriff „Tangerine" im amerikanischen Englisch, der heute eine ganze Früchtekategorie bezeichnet, entstammt der Geschichte dieser Sorte: Die Moragne-Früchte, aus denen die Dancy hervorging, kamen aus Tanger (Marokko), und ihre amerikanischen Nachkommen erhielten den Namen „Tangerine" — abgeleitet vom Herkunftshafen der Importe. Die Dancy etablierte sich schnell als die dominante Weihnachts-Mandarine der USA.

Kulturgeschichte

Von den 1880er-Jahren bis in die 1960er-Jahre war die Dancy die Weihnachts-Tangerine der USA schlechthin: Ihre Reifezeit im November und Dezember machte sie zum standardmäßigen Strumpffüller, zum mitgebrachten Fruchtsack an Weihnachtsfeiern und zum saisonalen Symbol des amerikanischen Winters. In Floridas Zitrusgeschichte war sie jahrzehntelang wirtschaftlich bedeutend und prägte die Bildsprache der orangenen Weihnachtsfrüchte im amerikanischen Kulturgedächtnis. Mit dem Aufstieg kernloser Hybriden wie der Clemenules und später Honey Tangerine/Murcott in den 1970er- und 1980er-Jahren verlor die Dancy rasch Marktanteile; die Kerne wurden zum Verkaufshindernis. Heute wird sie hauptsächlich in Spezialitätenmärkten und bei Nostalgieliebhabern vermarktet.

Fruchtbeschreibung

Kleine bis mittelgroße, tief orangerote Frucht mit 5–7 cm Durchmesser; die Schale ist dünn, locker sitzend, leicht gerippt und von einer charakteristisch tiefen, fast rötlichen Orangefarbe, die andere Mandarinen selten haben. Die Schale lässt sich leicht lösen und hinterlässt beim Schälen einen intensiven Tangerinen-Duft. Das Fruchtfleisch ist tief orange, saftig und enthält mehrere Kerne — 6–15 pro Frucht, je nach Bestäubungssituation.

Geschmacksprofil

Das Aromaprofil der Dancy gilt als eines der intensivsten und komplexesten unter den Mandarinen und Tangerinen: reich aromatisch, intensiv süß-sauer mit einer würzigen, fast pfeffrigen Tiefe, die modernen Hybridclementinen fehlt. Das Profil ist klar unterscheidbar von der milden, glatten Süße einer Clemenules: Die Dancy hat Kanten, Akzente, eine Persönlichkeit. Das Schalenaroma beim Schälen ist besonders stark — ein intensiver, blumig-würziger Tangerinduft, der kaum eine andere Mandarine erreicht.

Kulinarik & Verwendung

Als Frischfrucht für Direktgenuss zeigt die Dancy ihre stärksten Qualitäten: Das intensive Aroma beim Schälen setzt den Ton, und das reiche, vielschichtige Fruchtfleisch ist eine Entdeckung für alle, die Mandarinen bisher nur als gleichmäßige Clementinen kannten. Der intensive Aromakörper der Dancy eignet sich ausgezeichnet für frisch gepressten Mandarinensaft — dichter und aromatischer als Clementinensaft. Für Marmeladen aus Dancy-Früchten ergibt das komplexe Aroma einen Aufstrich mit besonderem Charakter; die Kerne liefern natürliches Pektin. In der amerikanischen Konditorei und Patisserie der Weihnachtszeit ist die Dancy das Referenzaroma für klassische Tangerine-Gebäcke und -Glasuren; Tangerine Curd aus Dancy-Saft ist aromatisch jedem Clementinen-Pendant überlegen.

Anbau & Pflege

Subtropisch; für Deutschland ausschließlich als Kübelpflanze geeignet. Kurzfristige Temperaturen bis ca. −4 °C übersteht die Krone; Überwinterung hell bei 5–10 °C. Als Kübelpflanze in einem Gefäß von 20–25 Litern gut kultivierbar; mittelkräftiger Wuchs mit wenig Dornen. Die intensive Schalenfarbe (tief orange-rot) entwickelt sich am besten bei ausreichend kühlen Herbstnächten — in dauerwarm-tropischen Klimaten bleibt die Schale heller.

Besonderheiten

Die Dancy ist die historische Namensmutter der amerikanischen Kategorie „Tangerine" — ohne sie hätte das Wort vielleicht nie die Bedeutung erlangt, die es im englischen Sprachraum hat. Als Elternpflanze amerikanischer Züchtungen des 20. Jahrhunderts (zahlreiche Florida-Hybride tragen Dancy-Erbe) hat sie auch genetisch den amerikanischen Zitrusmarkt mitgeprägt. Für Sammler und Genussmenschen, die den Mandarinen-Geschmack vor der Clementinen-Standardisierung erleben wollen, ist die Dancy eine unverzichtbare Referenz.

Ähnliche Sorten