
Femminello
Citrus × limon 'Femminello'
Synonyme: Femminello Comune, Femminello Siracusano, Zagara Bianca
- Fruchtgruppe
- Zitronen & Zitronatzitronen
- Hybridformel
- Zitrone (Citrus × limon), sizilianische Klongruppe
- Winterhärte (USDA-Zone)
- 9–11Richtwert für etablierte Pflanzen bei kurzem Frost — was die Zone aussagt
- Eignung
- Kübelpflanze, Indoor / Zimmerkultur
- Wuchsgröße
- Mittelstark (2–4 m)
- Kernlos
- Nein (kernhaltig)
- Erntezeit
- Jan, Feb, Apr, Mai, Jun, Jul, Aug, Okt, Nov, Dez
- Fruchtfleisch
- Gelb
Herkunft
Das Femminello ist keine einzelne Sorte, sondern eine Klongruppe — eine Familie eng verwandter sizilianischer Zitronen, die über Jahrhunderte in verschiedenen Mikroklimata der Insel auseinanderselektiert wurden. Zu ihr gehören unter anderem Femminello Comune, Femminello Siracusano, Femminello Zagara Bianca, Femminello Santa Teresa, Femminello Incappucciato und Femminello Carrubaro. Zusammen stellen sie rund 75 Prozent der italienischen Zitronenproduktion und sind damit die mit Abstand wichtigste Zitrone des Landes.
Grob unterschieden werden zwei Untergruppen: das Femminello Ovale (auch Femminello Comune) und das Femminello Sfusato, zu dem das Siracusano zählt. Der Name „Zagara Bianca" — weiße Blüte — bezeichnet eine Knospenmutation des Comune und verweist auf die rein weißen Blütenknospen, denen bei anderen Zitronen ein rötlicher Anflug fehlt.
Kulturgeschichte
Die Femminello-Gruppe ist der wirtschaftliche Kern der sizilianischen Zitronenkultur. Der Limone di Siracusa IGP ist eine geschützte geografische Angabe der EU und beruht auf Femminello-Klonen; ebenso stützen sich die Zitronenanbaugebiete um Messina und an der Ostküste auf diese Gruppe.
Ihre Bedeutung verdankt sie einer botanischen Eigenschaft: Femminello-Zitronen sind ausgeprägt remontierend, sie blühen also mehrfach im Jahr. Genau das machte eine Anbaupraxis möglich, die es sonst nirgends in dieser Form gibt — den gestaffelten Erntekalender, der Sizilien nahezu ganzjährig liefern lässt.
Fruchtbeschreibung
Mittelgroße, elliptische bis ovale Frucht mit mittelstarker, glatter bis leicht rauer Schale und ausgeprägter Nippelspitze am Blütenende. Das Fruchtfleisch ist blassgelb, saftig und je nach Klon unterschiedlich kernreich. Die Klone unterscheiden sich vor allem in Fruchtform, Schalendicke und Ertragsverteilung über das Jahr — geschmacklich liegen sie nah beieinander.
Der Baum wächst mittelstark, dornig und dicht und trägt fast durchgehend gleichzeitig Blüten, unreife und reife Früchte.
Geschmacksprofil
Klassisch zitronig: kräftig sauer, aromatisch und saftreich, mit einer duftenden, ölreichen Schale. Das Femminello gilt als die geschmackliche Referenz der Mittelmeerzitrone — was in Italien im Handel unter „Zitrone" verkauft wird, ist meist genau dieser Typ. Anders als bei der Meyer-Zitrone gibt es hier keine Milde und keine Mandarinennote: Das ist eine Säurefrucht.
Kulinarik & Verwendung
Universell einsetzbar — Saft, Zeste, Limoncello, Marmelade, Salzzitronen. Die ölreiche Schale ist besonders ergiebig, weshalb Femminello-Zitronen die Grundlage vieler süditalienischer Likör- und Konservierungsrezepte sind.
Für die Küche interessant ist die Unterscheidung nach Erntezeitpunkt: Die grün geernteten Sommerzitronen sind kleiner, dünnschaliger und säurebetonter, die Winterfrüchte größer und ausgewogener.
Anbau & Pflege
Frosttoleranz wie bei anderen Mittelmeerzitronen: kurzfristig etwa −4 °C. Kultur entsprechend: vollsonnig, durchlässiges Substrat, reichlich Wasser und Nährstoffe in der Wachstumsphase, helle und frostfreie Überwinterung bei etwa 5–10 °C. Der Wuchs ist kräftig und dornig; im Kübel braucht die Pflanze regelmäßigen Schnitt.
Die Blühfreudigkeit ist Vorteil und Herausforderung zugleich: Weil ständig neue Blüten kommen, trägt die Pflanze fast durchgehend — sie zieht dafür aber auch dauerhaft Nährstoffe und will entsprechend versorgt werden. Wer sparsam düngt, bekommt viele kleine Früchte statt weniger guter.
Besonderheiten
Am Femminello hängt die berühmteste Anbautechnik der Zitruskultur: die Verdelli-Ernte. Sizilianische Betriebe stellen die Bäume im Sommer gezielt trocken, bis sie deutlich unter Stress geraten; nach dem Wiederangießen und Düngen blühen sie außer der Reihe. Das Ergebnis ist eine zusätzliche, im Sommer noch grün eingeholte Ernte — die verdelli.
Beim Femminello Siracusano ergeben sich daraus drei benannte Ernten im Jahr: der primofiore ab dem 1. Oktober, der bianchetto (auch maiolino) ab Mitte April und der verdello ab dem 1. Juli. Beim Klon Zagara Bianca verteilt sich der Ertrag typischerweise auf etwa 46 Prozent reguläre Zitronen, 36 Prozent verdelli und 18 Prozent bianchetti.
Wichtig für die Praxis zu Hause: Diese Technik ist nichts zum Nachmachen im Kübel. Sie funktioniert im sizilianischen Freiland mit tief wurzelnden Bäumen — in einem Topf führt gezielter Trockenstress schnell zu bleibenden Schäden statt zu einer zweiten Blüte.