Zitroversum
Sanguinelli (Blutorange)

Foto: Bachelot Pierre J-P · CC BY-SA 3.0 · Quelle

Sanguinelli (Blutorange)

Citrus sinensis 'Sanguinelli'

Fruchtgruppe
Blutorangen
Hybridformel
Süßorange (Citrus sinensis), spanische Blutorangensorte
Winterhärte (USDA-Zone)
9–10Richtwert für etablierte Pflanzen bei kurzem Frost — was die Zone aussagt
Eignung
Kübelpflanze, Indoor / Zimmerkultur
Wuchsgröße
Kompakt (1–2 m)
Kernlos
Nein (kernhaltig)
Erntezeit
Dez, Jan, Feb, Mär, Apr
Fruchtfleisch
Rot / Blut

Herkunft

Die Sanguinelli ist eine spanische Blutorangensorte, die 1929 als Spontanmutation der Sorte Doble Fina in Almenara, Provinz Castellón (Valencia), entdeckt wurde. Sie ist die bedeutendste Blutorange der Iberischen Halbinsel und das iberische Gegenstück zur sizilianischen Tarocco-Familie — entstanden nicht durch Züchtung, sondern als zufällige genetische Veränderung auf einer einzelnen Pflanze, die man erkannte, vegetativ vermehrte und zur Handelssorte machte. Hauptanbaugebiete sind heute die spanischen Mittelmeerprovinzen Valencia und Katalonien sowie Marokko.

Kulturgeschichte

Als Spätsorte (Haupternte Februar bis April) belegt die Sanguinelli eine wichtige Marktlücke: Wenn die sizilianischen Blutorangen (Tarocco, Moro, Sanguinello) ihre Saison abgeschlossen haben, kommen die spanischen Früchte noch auf den Markt und verlängern die europäische Blutorangensaison bis in den Frühling. In Nordeuropa wird sie deshalb als „letzte Blutorange der Saison" gehandelt und erreicht Preise, die ihre Spätstellung im Kalender widerspiegeln. Die Sanguinelli profitiert dabei von einem besonderen Vorteil: Ihre Färbung und Qualität bleiben auch bei wärmer werdenden Frühlingstemperaturen stabiler als bei anderen Blutorangentypen.

Fruchtbeschreibung

Mittelgroße, leicht ovale bis runde Frucht mit 7–9 cm Durchmesser ohne Nabel; die Schale ist orange mit ausgeprägten, deutlich sichtbaren violett-roten Flecken und Bereichen — bei guten Exemplaren kann die Rotfärbung einen Großteil der Schalenoberfläche bedecken. Das Fruchtfleisch ist dunkelrot bis bordeauxrot, sehr saftig und enthält wenige Kerne. Eine charakteristische Eigenschaft: Die Rotfärbung der Schale und des Fruchtfleisches bleibt bei der Sanguinelli auch bei wärmer werdenden Temperaturen gegen Saisonende stabiler als bei anderen Blutorangen, was sie zur lagerfähigsten Sorte dieser Gruppe macht.

Geschmacksprofil

Intensiv fruchtig-süß mit moderater Säure und klar ausgeprägten Blutorangen-Beerennoten — Himbeere und Erdbeere dominieren den Hintergrund des Aromas, ergänzt durch einen orangigen Fruchtkörper mit leichter Säure. Das Profil ist zugänglicher und weniger intensiv-herb als das der Moro, aber tiefer als das vieler Tarocco-Klone. Die Sanguinelli hat einen angenehm langen Abgang mit anhaltenden Beerennoten.

Kulinarik & Verwendung

Frisch halbiert als Tafelfrucht zeigt die Sanguinelli ihre optischen Stärken: das bordeauxrote Fruchtfleisch vor orangefarbener Schale ist ein ästhetisches Erlebnis. Für frisch gepressten Blutorangensaft ist sie hervorragend geeignet; der Saft ist tief rot bis violettrot und aromatisch reichhaltig — ein attraktives Glas, das optisch sofort den Unterschied zu normalen Orangensäften signalisiert. In Obstsalaten und auf Cheesecake sind Sanguinelli-Filets ein Highlight; über karamellisierten Fenchel mit Ricotta ist die Kombination aus Süße und Beerentiefe klassisch mediterran. Für Blutorangenmarmeladen liefert die Sanguinelli eine besonders stabile Rotfärbung, die beim Kochen besser erhalten bleibt als bei anderen Sorten.

Anbau & Pflege

Die Sanguinelli braucht die für alle Blutorangen typischen kühlen Herbst- und Winternächte für maximale Anthocyan-Entwicklung — ohne ausreichend tiefe Nachttemperaturen bleibt das Fruchtfleisch eher orange als rot. Als Kübelpflanze in einem Gefäß von 20–30 Litern gut kultivierbar; Überwinterung hell bei 5–10 °C. Kurzfristige Temperaturen bis −3 bis −4 °C übersteht die Krone. Das deutsche Herbstklima mit ausgeprägten Tag-Nacht-Temperaturunterschieden ist günstig für die Färbungsentwicklung. Wuchs mittelkräftig; regelmäßige Düngung April bis September fördert dauerhaften Fruchtansatz.

Besonderheiten

Die Sanguinelli ist die lagerfähigste und späteste der kommerziellen Blutorangen: Sie hält ihre Qualität und Färbung an der Pflanze bis in den April hinein, während andere Blutorangen zu dieser Zeit längst überreif wären. Diese Eigenschaft macht sie zum idealen Abschluss der Blutorangen-Saison und zur letzten Möglichkeit, frische Blutorangen aus europäischem Anbau zu genießen, bevor die Saison bis zum nächsten Winter endet. Im Unterschied zur sizilianischen Konkurrenz ist die Sanguinelli weniger bekannt und weniger dokumentiert — ein Fall von nützlicher Unbekanntheit, die ihren Wiederentdeckungswert erhält.

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