Zitroversum
Volkamer-Zitrone
Volkamer-Zitrone als Kübelpflanze mit reifenden Früchten

Foto: Frank Vincentz · CC BY-SA 3.0 · Quelle

Volkamer-Zitrone

Citrus × volkameriana

Synonyme: Volkameriana, Volkamer Lemon

Fruchtgruppe
Zitronen & Zitronatzitronen
Hybridformel
saure Mandarine × Zitronatzitrone (Citrus reticulata × Citrus medica)
Winterhärte (USDA-Zone)
9–11Richtwert für etablierte Pflanzen bei kurzem Frost — was die Zone aussagt
Eignung
Kübelpflanze, Indoor / Zimmerkultur
Wuchsgröße
Groß (4 m+)
Kernlos
Nein (kernhaltig)
Erntezeit
Dez, Jan, Feb, Mär
Fruchtfleisch
Gelb

Herkunft

Die Volkamer-Zitrone (Citrus × volkameriana) ist trotz des Namens keine echte Zitrone, sondern ein eigenständiger Hybrid aus saurer Mandarine und Zitronatzitrone. Damit gehört sie zu derselben Kreuzungsgruppe wie die Rau-Zitrone (Rough Lemon) und die Rangpur-Limette — alle drei entstammen der gleichen Elternkombination und sind genetisch eng verwandt, was ihre auffallende Ähnlichkeit in Wuchs und Robustheit erklärt. Der Name ehrt Johann Christoph Volkamer (1644–1720), Nürnberger Kaufmann und Botaniker, dessen zweibändige „Nürnbergische Hesperides" (1708 und 1714) das erste deutschsprachige Zitrusbuch überhaupt ist. Die korrekte Schreibweise ist „Volkamer" ohne c — so steht es in der wissenschaftlichen Erstbeschreibung von 1867.

Kulturgeschichte

Volkamers „Hesperides" dokumentierte die Zitrussammlungen der Nürnberger Patriziergärten in prachtvollen Kupferstichen und ist bis heute eine Quelle, über die sich historische Sorten identifizieren lassen — mehrere Sortenbilder auf dieser Seite stammen aus diesem Werk. Dass ausgerechnet eine robuste Nutzpflanze seinen Namen trägt, ist ein hübscher Zufall der Nomenklatur — die Pflanze selbst stammt aus Italien. Von dort verbreitete sie sich in die Zitrusanbaugebiete der Welt: Als Saatgut aus Acireale auf Sizilien gelangte sie 1955 in die internationale Sortenforschung.

Ihre eigentliche Karriere machte sie nicht als Obst, sondern als Veredelungsunterlage. In Süditalien, Brasilien und Mexiko gehört sie zu den meistverwendeten Unterlagen überhaupt.

Fruchtbeschreibung

Mittelgroße bis große, rundlich-ovale Frucht ohne die für Zitronen typische Spitze am Blütenende. Die Schale ist rau, leicht höckerig und färbt sich von kräftigem Gelb bis fast Orangegelb — deutlich wärmer im Ton als eine Zitrone. Das Fruchtfleisch ist gelb, saftig und kernreich. Die Pflanze wächst stark und aufrecht; unveredelt erreicht sie 6 bis 10 Meter und gehört damit zu den wuchskräftigsten Zitrusgewächsen.

Geschmacksprofil

Sauer, aber anders als eine Zitrone: Verkoster beschreiben den Geschmack als näher an der Bitterorange als an der Zitrone — würziger, mit einer eigenen aromatischen Note und überraschend angenehm. Als reine Saftfrucht ist sie brauchbar, gegen eine gute Zitrone kommt sie geschmacklich aber nicht an.

Kulinarik & Verwendung

Der Saft lässt sich wie Zitronensaft einsetzen, die Schale ist aromatisch und ergiebig. In der Praxis wird die Volkamer jedoch selten wegen ihrer Früchte kultiviert, sondern wegen ihrer Robustheit und ihres dekorativen, dichten Wuchses — sie ist eine unkomplizierte Zierpflanze, die auch Pflegefehler verzeiht.

Anbau & Pflege

Sie ist robuster als die echten Zitronen und verträgt kurzfristig etwa −6 °C. Genau hier liegt ihre Stärke: Die Volkamer gilt als anspruchslos, wüchsig und wenig zickig — eine gute Wahl für Einsteiger, die an einer diven-haften Zitrone verzweifeln. Sie verträgt Trockenheit besser als die meisten Zitrusarten und kommt auch mit kalkhaltigen Böden zurecht. Frosthart ist sie deswegen nicht: Überwinterung hell und frostfrei, wie bei der Zitrone.

Wegen ihrer Wuchskraft braucht sie im Kübel entweder ein großes Gefäß oder einen konsequenten Schnitt — sonst wird sie schnell unhandlich.

Besonderheiten

Wahrscheinlich besitzt du sie längst. Weil die Volkamer eine der verbreitetsten Veredelungsunterlagen ist, steht sie unter unzähligen gekauften Zitruspflanzen — unterhalb der Veredelungsstelle. Wenn eine Kübelpflanze aus dem Wurzelbereich plötzlich einen auffällig wüchsigen, großblättrigen Trieb schiebt, der ganz anders aussieht als die Krone, ist das oft genau diese Unterlage. Solche Wurzelschosse gehören direkt am Ansatz entfernt: Sie wachsen kräftiger als die veredelte Sorte und schwächen sie mit der Zeit.

Als Unterlage bringt sie Wuchskraft, frühen Ertrag und große Bäume — sie ist die wüchsigste der gängigen Handelsunterlagen und toleriert das Exocortis-Viroid gut. Diese Wuchskraft ist zugleich ihr Nachteil: Sehr starkwüchsige Unterlagen stehen im Ruf, auf Kosten der Fruchtqualität zu gehen, weshalb ihre Eignung in der Fachliteratur differenziert diskutiert wird.

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