Zitroversum
Washington Navel

Foto: Benjamint444 · CC BY-SA 3.0 · Quelle

Washington Navel

Citrus sinensis 'Washington Navel'

Synonyme: Bahia-Orange, Nabelorange

Fruchtgruppe
Süßorangen
Hybridformel
Süßorange (Citrus sinensis), spontane Knospenmutation einer brasilianischen Selektion
Winterhärte (USDA-Zone)
9–11Richtwert für etablierte Pflanzen bei kurzem Frost — was die Zone aussagt
Eignung
Kübelpflanze, Indoor / Zimmerkultur
Wuchsgröße
Groß (4 m+)
Kernlos
Ja
Erntezeit
Nov, Dez, Jan, Feb, Mär
Fruchtfleisch
Orange
HabitusWashington Navel – Habitus

Foto: Forest & Kim Starr · CC BY 3.0 US · Quelle

Herkunft

Die Washington Navel (Citrus sinensis) entstand als spontane Knospenmutation an einem Baum der Sorte Selecta in einem Klostergarten bei Bahia, Brasilien, und wurde 1870 vom US-Landwirtschaftsministerium (USDA) nach Washington D.C. gebracht — daher der Name. Von dort gelangte sie nach Riverside, Kalifornien, wo sie zur Grundlage der gesamten kalifornischen Zitruswirtschaft wurde. Heute ist die Washington Navel die meistangebaute Tafelorange der Welt.

Kulturgeschichte

Keine Orangensorte hat die Wahrnehmung von Zitrusfrüchten in Nordamerika und Europa so geprägt wie die Washington Navel. Die Gründung von Städten wie Riverside und Redlands in Südkalifornien wäre ohne sie nicht denkbar; das gesamte californische Zitrus-Image — Sonne, Wohlstand, gesunde Ernährung — wurde durch ihre Vermarktung im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert aufgebaut. In Australien (wo sie als „Robertson"-Orange eingeführt wurde) und Spanien ist sie ebenfalls eine Hauptsorte der Tafelorangenproduktion.

Fruchtbeschreibung

Große, runde bis leicht ovale Orange (8–10 cm) mit dem charakteristischen Nabel am Blütenende — eine rudimentäre, rückgebildete zweite Frucht, die durch die Schale sichtbar ist und für die Namengebung verantwortlich ist. Die Schale ist leuchtend orange, mitteldick und gut schälbar. Das Fruchtfleisch ist tief orange, fest, sehr saftig und praktisch kernlos — die Sterilität der Blüten verhindert Samenbildung.

Geschmacksprofil

Süß und vollmundig mit kräftigem, klassischem Orangenaroma; die Säure ist moderat bis gering, was sie zum unkomplizierten Frischverzehr prädestiniert. Das Profil ist klar, zugänglich und wiedererkennbar — „das" Orangenaroma, das Generationen als Standard kennen. Für Saft ist sie weniger ideal als Valencia Late (ihr Saft tendiert zum Bitternwerden nach dem Pressen), aber als Tafelfrucht kaum zu übertreffen.

Kulinarik & Verwendung

Die Washington Navel ist die klassische Tafelorange: Schälen, in Spalten teilen, essen — oder in Segmenten für Obstsalate und Käseplatten arrangieren. Für frisch gepressten Saft eignet sie sich gut, sollte aber unmittelbar getrunken werden, da Limonin aus den Kernen und Segmenthäuten den Saft beim Stehen nachbittert (ein Phänomen, das bei Valencia Late nicht auftritt). In der Küche werden Orangenspalten und -abrieb für Salate mit Fenchel oder Rote Bete, für Entensaucen, Weihnachtsgebäck und Orangenmarmelade verwendet. Getrocknete Orangenscheiben (aus der Navel) sind eine beliebte Weihnachtsdekoration.

Anbau & Pflege

Die Washington Navel ist eine mittelstark bis stark wachsende Orange (3–5 m im Freiland; als Kübelpflanze durch Schnitt und Unterlage auf 1,5–2 m haltbar). Sie benötigt viel Sonnenwärme für die Fruchtreife — mehr als Mandarinen — und ist daher in Deutschland auf wärmebegünstigte Lagen oder Kübelhaltung mit langem Sommeraufenthalt im Freien angewiesen. Als Kübelpflanze überwintert sie bei 5–10 °C hell; kurzfristige Kälteeinbrüche bis ca. −5 °C übersteht die Krone. Für kompakten Wuchs im Kübel eignet sich Poncirus trifoliata oder eine Citrange-Unterlage.

Besonderheiten

Die Kernlosigkeit der Washington Navel ist keine züchterische Leistung, sondern ein Zufallsprodukt ihrer Mutationsgeschichte: Die Blüten sind vollständig steril und können sich nicht selbst befruchten. Das macht sie zur verlässlichsten kernlosen Orangensorte — aber auch dazu, dass sie sich nicht durch Samen vermehren lässt und ausschließlich als Edelreis auf Unterlagen veredelt wird.

Ähnliche Sorten