Zitroversum
← Vermehrung

Veredelung

Der Standardweg: sortenecht, schnell und mit den Vorteilen der Unterlage.

Veredelung ist die Standardmethode im Citrusanbau — nicht nur im kommerziellen Großbetrieb, sondern auch für engagierte Hobbygärtner, die in überschaubarer Zeit Früchte einer bestimmten Sorte ernten möchten. Das Prinzip: Ein einzelnes Auge oder ein Triebstück der Wunschsorte (das Edelreis) wird auf einen wurzelfesten Sämling (die Unterlage) aufgebracht. Beide verwachsen — und die Pflanze vereint die Eigenschaften beider Partner.

Warum veredeln?

Drei Gründe sprechen eindeutig für die Veredelung:

Sortenechte Nachzucht. Das Edelreis trägt ausschließlich das Erbgut der Mutterpflanze. Was man auf die Unterlage setzt, entspricht genetisch exakt der Ausgangssorte — anders als bei Aussaat, wo nucelläre und zygotische Embryonen zu unterschiedlichen Eigenschaften führen können.

Deutlich frühere Früchte. Während ein Sämling 7 bis 15 Jahre braucht, bis die Jugendphase endet, trägt eine veredelte Pflanze im kommerziellen Anbau bereits nach etwa drei Jahren erste Früchte. Auch im Kübel ist der Unterschied enorm.

Die Unterlage entscheidet mit. Welche Frosthärte die Wurzeln haben, wie kräftig die Pflanze wächst, ob sie bestimmte Bodenarten und Krankheiten toleriert — all das hängt von der Unterlagenwahl ab. Wer die richtige Unterlage wählt, gibt seiner Pflanze die beste Basis für den jeweiligen Standort. Mehr dazu auf der Seite Unterlagen.

Okulation (Augenveredelung)

Die Okulation ist die bedeutendste Veredelungsmethode für Citrus — sie spart Edelreis, erzielt hohe Anwachsraten und ist bei sorgfältiger Ausführung auch für Hobbyisten erlernbar. Verwendet wird nur ein einziges Auge (eine Knospe) aus dem Edelreis.

Die Unterlage muss mindestens Bleistiftdicke haben, bevor mit dem Veredeln begonnen wird.

T-Schnitt (T-Budding)

In die Unterlage wird an einer blattlosen Stelle ein 2 bis 3 cm langer senkrechter Schnitt in die Rinde gemacht; am unteren Ende schließt ein waagerechter Schnitt ab — das ergibt ein umgekehrtes T. Mit dem Rindenlöser des Okkuliermessers werden die beiden Rindenflügel behutsam vom Holz gelöst, sodass eine Tasche entsteht.

Das Auge wird am Edelreis mit einem extrem flachen Schnitt herausgelöst — das Messer wird fast parallel zum Trieb geführt und darf nicht tief ins Holz eindringen. Die Schnittstelle darf danach nicht berührt werden, da sonst die Anwachsquote deutlich sinkt. Das Auge wird zwischen die Rindenflügel geschoben; der überstehende Rest wird am waagerechten Schnitt bündig abgeschnitten. Zum Schluss werden die Rindenflügel mit PE-Veredelungsband fest auf das Auge gedrückt.

Kontrolle nach zwei bis drei Wochen: Fällt der stehen gelassene Blattstiel bei leichter Berührung ab, bleibt das Auge aber grün und prall — Erfolg. Wird auch das Auge braun und trocken, ist die Veredelung misslungen.

Chip-Budding

Beim Chippen wird kein T-Schnitt gemacht, sondern ein Span aus dem Stamm der Unterlage herausgeschnitten: Zuerst ein flacher Schnitt leicht ins Holz (etwa 2 cm lang), dann ein zweiter Schnitt von schräg oben bis zum Ende des ersten — der Span fällt heraus. Am Edelreis wird auf die gleiche Weise ein Span mit Auge entnommen.

Der Edelreis-Span wird in die Kerbe der Unterlage eingepasst. Entscheidend: Mindestens eine Seite muss bündig mit der Außenkante der Kerbe abschließen, damit die Kambiumschichten Kontakt haben und verwachsen können. Verbunden wird mit Kunststoff-Veredelungsband. Nach etwa drei Wochen sollte der Span noch grün sein und Kallusgewebe rund um die Schnittkante zeigen — dann ist die Veredelung angewachsen.

Pfropfen

Beim Pfropfen wird nicht nur ein Auge, sondern ein ganzes Triebstück als Edelreis verwendet. Zwei Methoden sind bei Citrus relevant:

Kopulation

Die Kopulation erfordert, dass Edelreis und Unterlage annähernd gleichen Durchmesser haben. Beide Partner werden mit einem langen Schrägschnitt (ca. 5 cm) zugeschnitten; die Schnittflächen müssen möglichst deckungsgleich sein. Mindestens eine Seite der Rindenschichten wird genau aufeinandergelegt und das Ganze fest mit Raffiabast von oben nach unten verbunden. Alle offenen Wundstellen kommen unter Baumwachs. Sobald der Edelreis etwa 5 cm Austrieb zeigt, wird der Verband vorsichtig aufgeschnitten.

Die Kopulation gilt als anspruchsvoll — der Schrägschnitt muss in einem Zug erfolgen und darf kaum nachgearbeitet werden. Sie kann im Frühjahr und im Herbst durchgeführt werden.

Rindenpfropfen

Beim Rindenpfropfen ist die Unterlage meist deutlich dicker als das Edelreis. Die Unterlage wird oberhalb der Veredelungsstelle geköpft; ein senkrechter Schnitt in die Rinde lockert zwei Rindenflügel. Das Edelreis wird unten keilförmig zugeschnitten und zwischen die Rindenflügel geschoben. Dann verbinden und alle Wunden mit Baumwachs verschließen.

Diese Methode funktioniert nur, wenn sich die Rinde leicht löst — das ist ausschließlich im späten Frühjahr der Fall, wenn der Saft in den Trieben steht.

Werkzeug, Material & Zeitpunkt

Für gutes Anwachsen braucht es nicht viel Werkzeug, aber jedes Stück muss scharf und sauber sein:

  • Veredelungsmesser — rasiermesserscharf, rostfrei. Für Okulation ein Okkuliermesser mit Rindenlöser; für Kopulation eine Kopulationshippe oder ein flaches Gartenmesser.
  • Veredelungsband — PE-Streckband (kein Baumwachs nötig) oder Raffiabast (dann alle Wunden außer dem Auge mit Baumwachs schließen).
  • Baumwachs / Wundverschlussmittel — kaltstreichfähig; alle offenen Schnittflächen versiegeln.
  • Desinfektionslösung — Werkzeuge vor jeder Veredelung und nach dem Wechsel zwischen Pflanzen desinfizieren.

Bester Zeitpunkt ist die aktive Wachstumsphase — wenn frische Triebe schieben und die Rinde sich gut vom Holz lösen lässt (Frühjahr bis Frühsommer). Okulation und Chip-Budding können solange durchgeführt werden, wie die Rinde „schiebt". Kopulation gelingt auch im Herbst. Rindenpfropfen ist auf das späte Frühjahr beschränkt.

Wichtig: Wuchsstärke, Bodenverträglichkeit und Krankheitstoleranz einer veredelten Pflanze gehen weitgehend auf die Unterlage zurück — die Wahl der Unterlage ist deshalb die wichtigste Entscheidung vor der Veredelung. Bei der Frosthärte gilt das nur eingeschränkt: Die Unterlage verschiebt sie über Wuchsruhe und Wurzelschutz, hebt die arttypische Empfindlichkeit der Edelsorte aber nicht auf. Eine Zitrone wird auch auf Poncirus nicht winterhart. Alle Details dazu auf der Seite Unterlagen.

Hygiene ist kein optionales Extra: Schnittstellen dürfen nie mit Fingern oder unsterilen Gegenständen berührt werden. Krankheiten können über Werkzeug und Pflanzensäfte übertragen werden und ganze Bestände gefährden.