Kitron-Blattlikör
Der Likör von Naxos wird nicht aus der Frucht gewonnen, sondern aus den Blättern — das einzige Rezept dieser Sammlung, für das man gar keine Frucht braucht.
- Art:
- Zedratzitrone (Citrus medica)
- Herkunft:
- Naxos, Kykladen (g.U.)
- Saison:
- ab September (Blatternte)
- Beschaffung:
- Substitut nötig
Ein Kuriosum der Zitruskunde mit unmittelbarem praktischen Wert: Der Kitron von Naxos wird nicht aus der Frucht destilliert, sondern aus den Blättern. Geerntet wird ab September, wenn sie voll aromatisch sind; die Frucht wandert derweil ins Kitro-Glykó. Es gibt drei Stärken — weiß ist die stärkste, dann grün, dann gelb.
Für Kübelkultur in Deutschland ist das die interessanteste Nachricht überhaupt: Blätter reifen jedes Jahr aus, Früchte oft nicht. Ein Rückschnitt genügt für ein vollwertiges Produkt.
Zutaten
Hausversion als Mazeration, ohne Brennen:
- 30 frische, gesunde Zedrat-Blätter
- 500 ml Neutralalkohol 60 % (oder Wodka 40 %, dann kürzer ziehen lassen)
- 300 g Zucker
- 300 ml Wasser
Zubereitung
- Blätter 10–14 Tage im Alkohol dunkel mazerieren, gelegentlich schwenken.
- Abseihen.
- Zuckersirup kochen und vollständig abkühlen lassen.
- Sirup mit dem Auszug verschneiden — 1:1 ergibt etwa 30 % Vol.
- Weitere zwei Wochen ruhen lassen.
Grundlagen zu Ansatz, Mazerationsdauer und Filtrieren stehen unter Verarbeitung in der Küche.
Ohne Alkohol
Ein alkoholfreier Blattauszug funktioniert als Sirup: 30 Blätter in 300 ml Wasser bei 70 °C eine Stunde ziehen lassen (nicht kochen), abseihen, mit 300 g Zucker zu Sirup einkochen und mit 4 g Zitronensäure stabilisieren. Auf Soda ergibt das eine Limonade mit demselben Blattaroma — haltbar allerdings nur zwei Wochen im Kühlschrank, da der konservierende Alkohol fehlt.
Tipp
Nur gesunde, unbeschädigte Blätter verwenden und trockene oder befallene konsequent aussortieren — genau wie in der traditionellen Produktion auf Naxos. Ein einziges schimmelndes Blatt verdirbt den ganzen Ansatz geschmacklich.
Beschaffung in Deutschland
Zedrat-Blätter sind nicht im Handel. Wer keine eigene Pflanze hat, kann ersatzweise Blätter der Bergamotte oder Makrut-Limette verwenden — das Ergebnis ist dann ein anderes Getränk, aber nach demselben Prinzip. Der Substitut-Hinweis gilt hier also der Blattquelle, nicht der Frucht.